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 Betreff des Beitrags: Bericht von unserem Zivi "Mango"
BeitragVerfasst: Di 26. Mai 2009, 14:56 
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Registriert: Mi 25. Feb 2009, 18:59
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Wohnort: Ritterhude
Bericht von unserem Zivi "Mango"

"Johannes Mangold ist seit dem 01.11.2008 als Zivildienstleistender im Jugendfreizeitheim einberufen. Er leistet einen direkten Dienst an den Jugendlichen im Ort."

Diesen Bericht hatte er für die Mitarbeiterzeitung der Gemeinde Ritterhude geschrieben.
Natürlich wollen wir euch diesen Bericht nicht vorenthalten:



Manöverbericht aus dem Jugendfreizeitheim

Meine ersten 3 Monate als Zivi im Jugendfreizeitheim Ritterhude sind um – höchste Zeit für einen ersten Erfahrungsbericht von der Zivifront.
Kurz zu meiner Person, ich bin Johannes Mangold, komme aus Osterholz-Scharmbeck und habe im Frühjahr 2008 dort am Gymnasium mein Abitur mit den Schwerpunktfächern Physik, Mathematik und Englisch gemacht. In meiner Freizeit treibe ich gerne Sport und engagiere ich mich im Ruderverein Osterholz-Scharmbeck. Ich bin seit 2006 Trainer und trainiere seit 2008 eine Gruppe von 12 bis 17 jährigen Leistungssportlern. Seit November 2008 leiste ich meinen Zivildienst im Jugendfreizeitheim Ritterhude.
Der Weg hierher war denkbar kompliziert. Als Anfang Februar 2008 der Musterungsbescheid kam, rechnete ich schon längst nicht mehr damit. Ich wurde vom Arzt T2 eingestuft (Krummer Rücken vom Rennrudern) und unterschrieb noch am selben Tag meine Verweigerung. Bis ich die schriftliche Erklärung endlich abgeschickt hatte, war es schon Mai geworden (die Abivorbereitungen waren ja zur selben Zeit fällig). In der Zwischenzeit habe ich mich um eine Stelle für ein freiwilliges soziales Jahr im Sport bemüht, erhielt jedoch, nachdem ich mit mündlichen Zusagen hingehalten wurde, Anfang Juni eine Absage. Jetzt musste es schnell gehen, es schienen alle Zivi-Stellen in der Umgebung vergeben zu sein. Nach viel Zeit am Telefon hatte ich wieder eine mündliche Zusage, diesmal von einem Kindergarten in Osterholz-Scharmbeck. Meinem Dienst dort stand nur noch das Anerkennungsverfahren als Zivildienststelle seitens des Kindergartens im Weg. Als das Verfahren Ende September tatsächlich durch war, fiel der Kassenwartin des Kindergartens allerdings auf, dass für einen zusätzlichen Mitarbeiter kein Geld da war.
Wieder stand ich enttäuscht und ohne Stelle da, und diesmal saß mir das Bundesamt für Zivildienst im Nacken. Knapp 3 Wochen hatte ich Zeit, eine Stelle zu suchen, sonst würde mir irgendwo in der Republik ein Einsatzort zugewiesen, hieß es.
Im Bundesamt konnte man mir jedoch helfen. Ein Paar Telefonate später hatte ich ein Vorstellungsgespräch im Jugendfreizeitheim Ritterhude.
Worauf ich mich da einließ, wurde mir allerdings erst später klar. Ich dachte, ich hätte Erfahrung im Umgang mit bockigen Jugendlichen. Ich dachte, meine Erfahrung mit leistungsbereiten Ruderern würde mir hier weiterhelfen.
Jedoch kam ich mit „bitte“ oder jeglicher Form von als Aufforderung gemeinte Frage nicht weiter. Klare Ansagen zu machen musste ich hier erst lernen. Auch die permanente Wachsamkeit war neu für mich. Ständig versucht jemand, das Internet zu nutzen, ohne dafür zu bezahlen, das Becherpfand in der Bar zu umgehen oder mich auf eine andere Weise zu testen.
Bewunderung erhielt ich von den jüngeren Besuchern für die Strecke von 4,34 Kilometern, die ich jeden Tag mit dem Fahrrad zurücklegen muss, um zur Arbeit zu gelangen. Die älteren fragten in den meisten Fällen nur, ob ich noch keinen Führerschein hätte oder warum ich mir für den Dienstweg kein Auto zulegen würde. Die Antwort auf diese Frage, dass der Weg mir nichts ausmacht und ich gern mit dem Rennrad herkomme, trieb dann den meisten eine Mischung aus Ungläubigkeit und Mitleid ins Gesicht.
Zu meinen Aufgaben hier zählen, neben dem Bardienst und der Computeraufsicht noch die Einkäufe, die Wartung der Computer und Hilfe bei den Hausaufgaben und Bewerbungen der Jugendlichen. Ich muss zugeben, ich war doch sehr verwundert, als mir ein erwachsener Mann gegenüber trat, der in seinem Leben ganze zwei Jahre die Schulbank gedrückt hat. Auch einen 18 Jährigen, zweifachen Familienvater kannte ich bis zu meinem Dienstantritt hier nicht.
Auch die Arbeitszeiten waren zuerst gewöhnungsbedürftig und nach dem zweiten Tag Nachmittagsschicht meldete ich mich im Fitnessstudio an, um überhaupt noch was anderes zu machen. Inzwischen gefällt mir der Rhythmus, auszuschlafen hat schließlich auch seinen Vorteile. es gibt einen neuen, festen Vormittagstermin mit meinem Zweierpartner zum Trainieren und meine Jugendgruppe trainiere ich am Wochenende.
Die vielen Aktionen und Fahrten werden mir auf jeden Fall in guter Erinnerung bleiben, sei es der Mitternachtssport, die Tages- und Wochenendfahrten in den Harz oder auch das Nintendo Wii-Turnier. Überall herrschte friedliche Stimmung und jedem, der Einrichtungen wie diese für Geldverschwendung hält, sei eines gesagt: Sie haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, da Jugendliche hier neben einer gelungenen Freizeitbeschäftigung auch fürs Leben lernen und für ihre Zukunft wirklich etwas mitnehmen.

Johannes Mangold, Zivi im JFZH

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